Prämierte Projekte 5 ///

Exterritories (Halle/Leipzig) /// Von Johannes Fiedler, Architekt (Graz)
Jördis Tornquist, Architekt (Graz)
Yueshin Lin, Grafikdesignerin (Graz)
James Jolly, Ökonom (Graz)
Lea Titz, Fotografin (Graz)

Jurykommentar /// "Wenn ein Standort mit China konkurrieren will, muss er wie China werden." Dieser dem VW-Vorstand Peter Hartz anlässlich der fiktiven Eröffnungsfeier eines VW-Werkes in Guanghzou 2005 zugeschriebene Satz, liefert das Bild, entlang dessen das Projekt "Exterritories" seine fiktiven Szenarios entwickelt. Ein Essay, der 2010 im renommierten Magazin Foreign Affairs erscheint, resümiert die ökonomischen, politischen und sozialen Entwicklungen, die zur Gründung neuer, auf zwischenstaatlichen Vereinbarungen basierender, so genannter Exterritorien geführt haben.

In einem, den distanziert-kommentierenden Stil des Magazins perfekt nachstellenden, Text extrapolieren die Autoren das Konzept dieser Raumeinheiten, die aus dem rechtlichen Rahmen eines Staates herausgelöst und gänzlich unter die Souveränität eines anderen gestellt sind. Im Fall von Halle/Leipzig ist dies die Volksrepublik China.

Dabei skizziert der Essay, wie sich die Geografie ökonomischer Aktivitäten fortwährend neu gestaltet und dabei die politische Figur des Nationalstaates unterläuft - sei es durch regionale oder urbane Entwicklungen, durch internationale Kapitalflüsse und Arbeitsmarktbewegungen, durch sich verändernde Muster industrieller Entwicklung oder durch Rohstoffausbeutung und Konsum. Aus der Beobachtung dieser (theoretischen und materiellen) Prozesse leiten die Preisträger eine wichtige Verallgemeinerung ab: Die Dynamik der Ökonomie schafft eine soziale und materielle Landschaft, die ihrem eigenen stabilen Fortgang entschieden zuwiderläuft. Da die Kapitalakkumulation auf Beziehungen der Ungleichheit beruht, findet diese auch in der Fragmentierung des Raumes ihren Ausdruck - etwa in Orten des spektakulären Konsums gegenüber Zonen der chronischen Verarmung; in Gated Communities, die im Überfluss schwelgen, gegenüber Ghettos, in denen die Aussichtslosigkeit regiert; in Sonderwirtschaftszonen gegenüber Regionen, in denen es zur massiven De-Industrialisierung traditioneller Produktionszentren oder zur Neuorganisation des globalen Städtenetzwerks kommt.

Neben dem chinesisch verwalteten Exterritorium Halle/Leipzig imaginieren die Autoren 2010  eine Zone unter südafrikanischer Verwaltung in Detroit und ein indisch verwaltetes Viertel in Manchester.







 // Druckansicht // Leserbrief //

Start ¬Über uns ¬Analyse ¬Interventionen : Wettbewerb : Beiträge : Wettbewerb 2.0 ¬Prognose ¬Ausstellungen ¬Veranstaltungen ¬Publikationen ¬Presse           • Kontakt • Impressum • Sitemap • Suche           deutsch | english | russian