Prämierte Projekte 2 ///

Claiming Land (Manchester/Liverpool) /// Von Stefanie Bremer, Stadtplanerin (Dortmund)
Dirk E. Haas, Geograf/Stadtplaner (Essen)
Päivi Kataikko, Architektin (Essen)
Henrik Sander, Stadtplaner (Dortmund)
Andreas Schulze Baeing, Raumplaner (Liverpool)
Boris Sieverts, Künstler (Köln)

Jurykommentar /// "Die Reminiszenz an Thomas Pynchons Roman Mason and Dixon liefert nicht nur den poetischen Rahmen für das Projekt "Claiming Land", sie verweist auch auf die Konstruiertheit der topografischen Figuren von Stadt und Land, mit denen wir gewohnt sind, zu denken. Die Autoren nehmen die Romanfiguren des Landvermessers und Astronomen zum Ausgangspunkt ihres Wettbewerbsbeitrages, um auf die Komplexität der Transformation des Städtischen zu verweisen, und ihrem möglicherweise allzu utopisch erscheinenden Vorschlag eine Argumentationsgrundlage zu liefern.

Da ist zunächst die Angst vor dem leeren Raum, die im konkreten Fall - und im Gegenzug zu den Verfall und Unsicherheit verkörpernden Brachen - zu Mauern, Zäunen und Überwachungskameras führt. Diese ungeheuerliche Leere ist vor allem Ausdruck einer Krise der Planung.

Da ist zum zweiten eine massive Verschiebung im Verhältnis zwischen Stadt und Land, eine Verstädterung ohne Stadt, die die Stadt nicht mehr als physischen Ort braucht und deren künstliche Inszenierungen, wie im Falle von Manchester und Liverpool, daran auch nichts mehr ändern können.

Und nicht zuletzt ist es das neue Verhältnis von Stadt und Region, eine neue Geografie, die in Gestalt von globalen Wirtschafts- und Verkehrkorridoren den Räumen neue Bedeutungen zuweist. Stadt als identitätsstiftender räumlicher und visueller, via Stadtbild vermittelter, Zusammenhang ist vor diesem Hintergrund nicht mehr zu haben.

"Claiming Land" schlägt eine "Pioneer-City" vor, die neue Nutzungsoptionen und Lebensentwürfe in diesen Leerräumen anbietet und damit einen neuen regionalen Zusammenhang zwischen Liverpool und Manchester stiftet. Internationale Bewerber um ein kostenloses Stück Land müssen nur eines vorweisen, nämlich ein Handlungskonzept.

Der Jury gefiel insbesondere, dass - anknüpfend an die literarische Vorlage - die Vermessung zu einem Akt wird, bei dem der Handlungsraum zugleich auch räumlich definiert wird.  Mit emotionalen Kartografien und Karten fiktiver Beschreibungen der Landnahme präsentieren die Autoren das Szenario einer kulturellen Nutzung der Stadt, die nicht alten Bildern sondern dem alltäglichen Gebrauch folgt. Wie Finnen, Afrikaner und Engländer dann fiktiv um die Gestalt ihrer Grundstücke streiten, gibt Einblick in die Chancen und Risiken des Umgangs mit neuen räumlichen Unbestimmtheiten. Wie die Pioneer-City aussehen wird, darauf gibt der Beitrag keine Antwort: Vielmehr verfolgt der vorgeschlagene Atlas das Ziel, den Prozess des durchgreifenden Formwandels des Städtischen zu dokumentieren."






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